Transkript der Zeit im Bild vom 21. Oktober 2014 zum Thema Aufbruch der RaRo

By | 24. November 2014

Armin Wolf: Herr Stefan, Herr Koller, es freut mich, Sie heute in diesem Studio begrüßen zu dürfen. Lassen Sie mich gleich mit der ersten Frage beginnen: Was genau kann man sich als Laie unter einem Aufbruch vorstellen?

 

Kevin Koller: Der Aufbruch ist die Aktion, mit der bei den Pfadfindern die letzte Alterstufe abgeschlossen wird. Man wird sozusagen mit 21 Jahren, ganz ähnlich wie bei einer Überstellung, von der RaRo-Stufe verabschiedet. Das Ganze wird jedoch im Vergleich zu den jüngeren Stufen nicht von den Leitern sondern von der Rotte geplant und durchgeführt.

 

Armin Wolf: Ist der Aufbruch eine eigene Entscheidung, wird einem nahe gelegt zu gehen, oder ist die Altersgrenze von 21 ein Richtwert?

 

Benjamin Stefan: Nachdem manche der Aufbrechenden schon die Altersgrenze von 21 überschritten haben, kann man guten Gewissens sagen, dass 21 eher ein Richtwert ist, der aber großteils eingehalten wird. Hauptsächlich hängt es davon ab wann man überstellt wurde, und dass sich manche nicht ihre RaRo-Jahre “stehlen” lassen wollen. Für jeden, der diesen Abschnitt bei den Pfadfindern durchlebte, ist das natürlich verständlich.

 

Armin Wolf: Wie genau ist Ihr Aufbruch abgelaufen?

 

Kevin Koller: Die Aufbrechenden, das waren Benji, Daniel, Jessi, Valle, Vinni und ich, sind ohne zu wissen wohin es geht am Freitag um 19:00 zum Hauptbahnhof in Linz beordert worden. Erst kurz vor der Zugabfahrt wurde uns gesagt, dass es nach Micheldorf a. d. Krems geht. Dort hatte sich schon der Rest der Rotte im Pfadfinderheim eingenistet. Am darauffolgenden Abend haben wir bei ein paar Getränken über alte Zeiten geplaudert. Samstag Mittag sind wir dann ins Hallenbad nach Kirchdorf gefahren, um es uns im Bad bzw in der Sauna gut gehen zu lassen. Abends musste natürlich traditionell pfadfinderisch ein Lagerfeuer mit Gitarrenmusik her. Dabei wurde jedem von uns ein persönliches Fotobuch mit Erinnerungen aus unserer RaRo-Zeit überreicht. Am Sonntag sind wir dann ganz symbolisch noch mit 2 Booten die Steyr entlang unserem Begleiter davon gefahren.

 

Armin Wolf: Was war das Denkwürdigste an der Überstellung für Sie?

 

Benjamin Stefan: Es gab mehrere Dinge, die mir sehr gefallen haben, doch müsste ich mich entscheiden, würde ich wahrscheinlich sagen: die letzte Überraschung der Rotte, nämlich eine Kanufahrt die Steyr entlang. Die Möglichkeit, ein letztes Mal als RaRo etwas zu tun, aufzubrechen und am Ende anzukommen, wenn auch traurig und nicht mehr als Teil der Rotte.

 

Armin Wolf: Wie steht man dem Ende der RaRo-Zeit gegenüber, da doch so viele Jahre in dieser Gruppe verbracht wurden?

 

Kevin Koller: Natürlich ist es schade zu wissen, dass man zum Beispiel nie wieder auf ein Pfingsttreffen fahren wird, andererseits freuen wir uns alle irrsinnig darüber, am 1. November nach dem berühmten RaRo-Halloweenfest endlich mal ausschlafen zu können anstatt das Heim säubern zu müssen. Mittlerweile haben außerdem fast alle Aufbrechenden eine Rolle als Leiter bei Linz 12, es ist also nicht so, als ob man nach dem Aufbruch nichts mehr mit Pfadfindern zu tun hätte.

 

Armin Wolf: Was hat Ihnen an der RaRo-Zeit am besten gefallen?

 

Benjamin Stefan: Schwer zu sagen, es gab so viele einzigartige und denkwürdige Augenblicke, dass ich mich nicht guten Gewissens für einen entscheiden könnte.

Wenn man sich nicht auf einzelne Ereignisse fokussiert sondern sich mehr darauf konzentriert, was man durch die Pfadfinder insgesamt fürs Leben dazugewonnen hat, würde ich sagen, dass es die Leute sind, die man kennengelernt hat, solche, die man nie getroffen hätte, wäre man nicht Pfadfinder, vor allem jene, die man mittlerweile so gut kennt, dass man sie gute Freunde “schimpfen” darf. Zu wissen, dass man sich jederzeit auf sie verlassen kann, ist etwas wundervolles.

 

Armin Wolf: Wie geht es jetzt weiter?

 

Kevin Koller: Die meisten werden sich pfadfinderisch wahrscheinlich jetzt hauptsächlich dem Leiten widmen. Allerdings hat uns die Gilde Schückbauer auch angeboten, in ihrem Verein als eigene Junggilde mitzumachen. Bis wir aber genug Mitglieder haben, könnte es noch ein, zwei Aufbrüche dauern.